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Musikschule

Die Geschichte der Tölzer Sing- und Musikschulen von 1875 bis heute

Die Anfänge des Musikunterrichts an den Tölzer Schulen finden sich bereits im 19. Jahrhundert

Chorregent Julian Wörner gründete 1875 die Gesang- und Musikschule Tölz. Für seinen Unterricht erhielt er jährlich 350 Mark. Später erteilte Kapellmeister Diemer ebenfalls Unterricht in den Fächern Klarinette, verschiedenen anderen Blasinstrumenten, Violine und Gesang. Nach dem Tod Wörners im Jahre 1893 übernahm ein Aushilfslehrer Namens Jochum sein Amt. Jedoch nach nur knapp einem Jahr verließ er Tölz, sein Nachfolger wurde Johann Christian Braun.

Braun übernahm zunächst unentgeltlich den Unterricht. Nach einer Prüfung durch die Akademie der Tonkunst bekam er die feste Anstellung als Chorregent.

Erste Städtische Singschule, 1917-1931

Im Jahre 1917 errichtete Josef Kammermeier, seit demselben Jahr Chorregent in Tölz, die Erste Städtische Singschule. Als Gründungstermin wird der 31. März 1917 festgehalten. Trotz eines Einspruchs durch die Lokalschulinspektion stand die Stadt hinter der neueröffneten Einrichtung, die Institution blieb bestehen. Jedoch wird Kammermeier schon acht Monate später nach Lanshut berufen, der Organist Anton Mayer wird neuer Leiter der Singschule.

Im Jahre 1920 war die Klassenstärke der Musikschüler schon sehr beachtlich.

An diesen Zahlen lässt sich erkennen, dass solch eine Einrichtung notwendig war und einen großen Anklang in der Bevölkerung fand.

Die Unterrichtszeit gestaltet sich folgendermaßen:

  1. Mittwoch und Samstag von 1 bis 2 Uhr: Lernen der Noten, Wort derselben, allgemeine Theorie, Übungen im Treffen mittels der vorkommenden Intervalle
  2. Montag und Donnerstag von 11 bis 12 Uhr: Übungen im zweistimmigen Gesang in deutscher und lateinischer Sprache, Einführung in das Volkslied
  3. Dienstag und Freitag von 1/2 7 bis 1/2 8 Uhr: Pflege des drei- und mehrstimmigen Gesangs, Übungen im Vokalsingen von gemischten Chören

Untergebracht war die Schule in einem Klassenzimmer im Erdgeschoss des Knabenschulhauses, Schulgraben 2. In den folgenden Jahren fand die Schule immer größeren Anklang und im Schuljahr 1930/31 gab es bereits vier Klassen, insgesamt waren es 135 Schüler. Die beste Klasse nahm auch an den Chorproben teil und gestaltete den Gottesdienst mit.

Aufgrund einer Haushaltsberatung wird nach 14 Jahren die Schule 1931 durch den Verwaltungsausschuss geschlossen. Ein Grund hierfür war auch die angeschlagene Gesundheit von Mayer.

Singschule der katholischen Kirchengemeinde, 1932-1939

1932 errichtete die Katholische Kirchengemeinde eine Singschule. Die Leitung erhielt Anton Kobell. Sieben Jahre hielt diese Einrichtung, dann wurde auch sie aufgehoben.

Zweite Städtische Singschule, 1939

1939 schuf die Stadt Bad Tölz eine neue kommunale Singschule. Die Leitung übertrug man August Grillenberger. Durch seine Einziehung zur Wehrmacht zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde der Unterricht unterbrochen und erst wieder nach der Entlassung Grillenbergers 1941/42 aufgenommen.
Durch die Ereignisse in den letzten Kriegswochen ging die Zweite Städtische Singschule unter. Raumnot, existenzielle Probleme und geringes kulturelles Interesse in der Bevölkerung ließen das kulturelle und musikalische Leben in der Stadt stillstehen. Erst 1956 trat mit der Gründung des Tölzer Knabenchors eine Wende ein.

Verein "Singschule Bad Tölz e.V.", 1959

Am 8. Juni 1959 wurde der Verein "Singschule Bad Tölz e.V." ins Leben gerufen, um dem seit 1956 bestehenden Knabenchor eine bessere wirtschaftliche Grundlage zu verschaffen.
Außerdem erfolgte die Gründung des Vereins zu dem Zweck, in Bad Tölz eine Singschule zu errichten und zu betreiben, um die musische Entwicklung der Jugend zu fördern und damit einem schon zur Tradition gewordenen Bedürfnis der Bevölkerung zu entsprechen. Ein weiteres Motiv für die Errichtung der Singschule war, im Rahmen ihres Unterrichts talentierte Sänger als Nachwuchs für den Tölzer Knabenchor heranzubilden.

Insbesondere ist es den umfassenden Bemühungen des Chorleiters Gerhard Schmidt zu verdanken, dass die nachhaltigen Initiativen vieler Tölzer Eltern schließlich zum Erfolg der Vereinsgründung geführt haben. Sicherlich hätte es zur damaligen Zeit ohne den Einsatz von Gerhard Schmidt keine Gründung einer Singschule in Bad Tölz gegeben.


1. Vorsitzender: Schulrat Hans Schwaiger
2. Vorsitzender: Sparkassendirektor August Meindl
Kassier: Rupert Kollmuß
Schriftführerin: Eva Rogner
Vertreter der Elternschaft: Franziska Schott, Walter Hornig, Dr. Josef Kremser

Laut Schweiger fand die Singschule wieder großen Anklang. Der Knabenchor zählte 57 Mitglieder, für die Schule lagen am 8. Mai 1959 91 Anmeldungen vor.
Die Schule erhielt finanzielle Unterstützung von der Stadt. Außerdem stellten Spenden einen erheblichen Teil der Finanzen dar. Jedes Jahr spendeten die Stadtwerke 3000 Mark. Von den Eltern gab es Schulgeldzahlungen. Untergebracht war die Schule im Pfadfinderraum der Oberrealschule.

Im Jahre 1959/60 waren 144 Schüler angemeldet, zu Beginn des Schuljahres 1662/63 waren es schon 198. Diese große Zahl brachte einige Probleme mit sich. Trotz unermüdlichem Einsatz von Singschulleiter Schmidt, konnte er den Umfang nicht bewältigen. Aushilfskräfte mussten eingestellt werden.

1963 wurde der Knabenchor aufgrund einer Satzungsänderung des Vereins ein selbstständiges Unternehmen. Chorleiter Schmidt blieb aber weiterhin Schulleiter und so war ein enge Zusammenarbeit der beiden Institutionen gewährleistet.
Im selben Jahr warb Carl Orff seine erste Mitarbeiterin am Orff-Institut in Salzburg, Frau Gunild Keetmann, für den Orff-Instrumentalunterricht. Außerdem stiftete er das erforderliche Instrumentarium.

1964/65 verbesserte sich die räumliche Situation. Chor und Schule fanden im Untergeschoss des neugebauten Jugendheims an der Ecke Hindenburgstr./Alter Bahnhofsplatz eine neue Bleibe.

1964 übernahm der Oberlehrer der Knabenvolksschule Heinrich Müller die Schulleitung. Studienrat Siegfried Hämmerle, Oberlehrer Müller, Chorregent Alfons Striz und Musikstudent Bernd Hampe wechselten sich bei der Leitung des Singunterrichts ab.

1966/67 erreichte die Schülerzahl einen Tiefstand: 52 Schüler wurden nun unterrichtet. Doch schon im Jahre 1968 ging es wieder bergauf: 160 Kinder und Jugendliche besuchten regelmäßig den Unterricht der Schule.
Im selben Jahr wurde auch der Name in "Sing- und Musikschule Bad Tölz e.V." umgeändert.

1968/69 gibt es eine Aufteilung der 160 Schüler in 10 Gruppen. Jede Gruppe erhält wöchentlich je eine Orff-Instrumental/Sing- und Chorstunde. Zahlreiche öffentliche Auftritte gaben einen Einblick in das Können der Schüler.

Seit 1969/70 ist die Sing- und Musikschule zu einer unentbehrlichen Einrichtung für Bad Tölz geworden.
In diesem Jahr pendelte sich der Schülerstand - nach stetigem Wachstum der letzten Jahre - auf 230 Kinder ein. Durch die wachsende Schülerzahl wurde eine Neuorganisation des Unterrichts und die Verpflichtung qualifizierter Lehrkräfte unumgänglich. Ab September 1969 waren u.a. folgende Lehrer tätig.

Im Jahr 1970/71 wird die Musikalische Früherziehung an der Schule eingeführt.
Mit wachsender Größe der Einrichtung erhöhte sich auch die finanzielle Unterstützung durch die Stadt und den Landkreis. Zeitweilige finanzielle, räumliche und personelle Probleme wurden immer wieder gelöst, aus der Krise zog man positive Schlüsse. Zahlreiche Konzerte präsentierten das Können der Schüler in der Öffentlichkeit ("Bettelhochzeit", Orff-Weihnachtsspiel, Faschingsfeiern, Till Eulenspiegel, ..)
In 15 Jahren Musikschule gab es auch viele personelle Veränderungen.

1983 ist der Umzug in die Räume an der Jahnstraße perfekt. Rund 18 1/2 Jahre diente das städtische Jugendheim als musische Wirkungsstätte, nun brach ein neues Kapitel an.
Das 25-jährige Jubiläum 1984 feierte man mit einer Festwoche. Verschiedene Konzerte für Soloinstrument und Orchester, ein Vortragsabend und ein Abschlusskonzert mit der Aufführung der Kinderoper "Die zertanzten Schuhe" hatten riesigen Erfolg.
Von 91 Schülern anfangs, hatte sich die Zahl im Jahre 1979/80 auf 450 gesteigert, dann fiel sie wieder ein wenig ab, so dass 1984 337 Kinder unterrichtet wurden.

Eine neue Ära der Sing- und Musikschule begann durch die Wahl des Vorstands im Jahr 1989 und durch die erstmalige Bestellung einer hauptberuflichen Schulleitung im Jahr 1990.
Die Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender: Dr. Walter Frei
2. Vorsitzender: Albert Schäffenacker
Kassenwart: Heinz Krug
Schriftführer: Christl Frei
Schulleiter: Harald Roßberger
Elternvertreter: Waltraud Buchert, Chantal Daffner, Alcira Höfling, Günther Nagel, Franz Schwaighofer

Vorrangige Ziele von Vorstand und Schulleitung waren die wirtschaftliche Stabilität der Musikschule, das Erfüllen der strengen Vorgaben der Bayerischen Sing- und Musikschulverordnung, die Überführung der Lehrkräfte von freien Mitarbeiterverhältnissen in feste Arbeitsverhältnisse sowie der Ausbau des Fächerangebotes.
Wurden im Jahr 1989 rund 280 Schülerinnen und Schüler an der Einrichtung unterrichtet, waren im Jahr 2005 nahezu 800 Fächerbelegungen gemeldet. 2006 erteilen 28 musikpädagogisch qualifizierte Musiklehrer wöchentlich rund 300 Unterrichtsstunden.

Das Veranstaltungswesen der Musikschule wurde strukturiert und deutlich ausgeweitet, so dass ab 2005 in jedem Jahr rund 100 öffentliche Veranstaltungen von der Sing- und Musikschule durchgeführt oder mitgestaltet werden. Jedes Jahr erleben 5000-10000 Zuhörer die Auftritte von Schülern und Lehrern der Einrichtung.

Durch vielfältige Formen der Zusammenarbeit mit anderen Bildungsträgern, kulturellen und sozialen Einrichtungen sowie mit anderen Kooperationspartnern wurden lokale und regionale Kräfte gebündelt und in den Dienst der musikalischen Erziehung junger Menschen gestellt.

Unter großer öffentlicher Beachtung wurden das 35-jährige Bestehen der Musikschule (1994) und das 40-jährige Bestehen (1999) gefeiert.

Mit größerem Unterrichtsumfang, erweiterten Tätigkeitsfeldern und erhöhten Personalkosten stieg auch der Finanzierungsanteil, der nicht durch Unterrichtszahlungen der Eltern gedeckt werden konnte. Neben dem staatlichen Zuschuss war für die Sing- und Musikschule vor allem die Unterstützung durch die Stadt Bad Tölz hilfreich und lebensnotwendig. Dankbar ist die Sing- und Musikschule für eine stetige Unterstützung durch die Stadt Bad Tölz und für die Anpassung ihrer Zuschüsse entsprechend der jeweiligen Entwicklung.

Im Lauf der vergangenen 10 Jahre wurde deutlich, dass die Räumlichkeiten an der Jahnstraße für den Umfang der inzwischen erreichten Unterrichtskapazität nicht mehr ausreichend waren.
Die Vorstandschaft des Trägervereins rückte das Anliegen, die räumliche Situation für den Unterrichtsbetrieb zu verbessern ins Zentrum ihrer Aktivität.
Durch einen stetigen Anstieg der Schülerzahlen sowie durch Ausweitung des Angebots waren die Räumlichkeiten im Hinblick auf Anzahl und Größe der Räume nicht mehr angemessen, dazu nagte der Zahn der Zeit an den akustisch wenig geeigneten Räumlichkeiten in der Jahnstraße.
Nachdem im Lauf der vergangenen 10 Jahre verschiedene Alternativmöglichkeiten überlegt, geprüft und wieder verworfen worden waren, wurde bereits vor einigen Jahren das Hauptaugenmerk auf das ehemalige Finanzamt gelegt. Durch den Umzug des Finanzamtes in das Behördengeviert auf der Tölzer Flinthöhe sowie durch den einstimmigen Beschluss des Tölzer Stadtrates zum Kauf des Gebäudes durch die Greiner-Stiftung wurde der Weg frei für eine Nutzung durch die Musikschule, die VHS und eine Beratungseinrichtung. Durch den Umbau des Gebäudes entstand neben 13 Unterrichtsräumen und Verwaltungsräumen auch ein Vortragssaal mit Platz für rund 120 Personen.

Mit dem Namen des Gebäudes (Greiner-Kulturhaus) wird an das Stifterehepaar Greiner erinnert, das durch großzügige Hinterlassenschaften insbesondere soziale und kulturelle Aufgaben in Bad Tölz unterstützen wollte.